Ein Bauer gräbt einen Hügel ab und findet eine Bronzetafel mit lateinischer Schrift. So beginnt der Bericht, den Pfarrer Michael Braunmüller 1842 über einen Fund in Geiselprechting überliefert. Das Stück trägt Namen einer Familie, die fast achtzehn Jahrhunderte zuvor neue Rechte erhalten hatte.

Der Weg vom Fund zur Nachricht

Nach Braunmüllers Bericht fand Johann Spiglberger die Tafel hinter seinem Haus. Der Pfarrer leitete sie an Heinrich Föringer nach München weiter. Franz Liebl druckte den Bericht später in seinem Beitrag über örtliche Bodenfunde ab.

Überliefert ist eine Tafel eines ursprünglich zweiteiligen Dokuments. Die Fundgeschichte ist von dessen antikem Inhalt zu unterscheiden: Der Fundort zeigt, wo das Stück 1842 zum Vorschein kam. Wie lange es dort lag und auf welchem Weg es dorthin gelangte, verlangt eine eigene Untersuchung.

Was Cattaus und seine Angehörigen erhalten

Das Militärdiplom ist auf den 15. Juni 64 datiert, in die Regierungszeit Neros. Es nennt Cattaus, Sohn des Bardus, einen Helvetier und Reiter der ala Gemelliana. Eine „ala“ ist hier eine römische Reitereinheit der Hilfstruppen.

Auch Sabina, Tochter des Gammus, und die Kinder Vindelicus und Materiona werden genannt. Das Dokument bezeugt die Verleihung des römischen Bürgerrechts und des Eherechts. Gerade die Familiennamen machen aus einem allgemeinen Rechtsakt eine persönlich zugeordnete Urkunde.

Marcus A. Speidel behandelt den Fund in seiner Untersuchung römischer Reitertruppen von 1992. Aus der üblichen Dienstzeitformel leitet er ab, dass Cattaus damals wenigstens 25 Jahre gedient hatte. Das ist eine fachliche Auswertung der Urkunde, keine vollständig erhaltene Lebensgeschichte des Mannes.

Warum der Nachweis auf Bronze steht

Ein Militärdiplom bestätigte die Rechtsstellung seines Inhabers. Die zusammengehörenden Tafeln besaßen Innen- und Außentexte und wurden versiegelt. Liebl erläutert diese Sicherung in seiner örtlichen Bearbeitung.

Ein solcher Nachweis konnte im späteren Leben Bedeutung behalten. Das Bürgerrecht war ein besonderer Rechtsstatus, nicht einfach die heutige Vorstellung einer Staatsangehörigkeit. Wer die Urkunde liest, begegnet damit zugleich römischer Verwaltung und den Folgen eines langen Militärdienstes.

Eine große Geschichte mit offenen örtlichen Fragen

Der Fund verbindet Geiselprechting mit einem Reich, dessen Heere Menschen verschiedener Herkunft zusammenbrachten. Aus einer helvetischen Familie wird in diesem Dokument eine Familie mit römischen Rechten. Über ihren Alltag erfahren wir wesentlich weniger.

Eine frei erfundene Szene am Vachendorfer Herd würde diese Lücke verdecken. Für eine nachgewiesene Ansiedlung des Cattaus genau am Fundort müssen zusätzliche Befunde vorliegen. Ebenso werden aktueller Verwahrort und Inventarnummer hier erst nach institutionellem Abgleich verbindlich angegeben.

Der Reiz des Stücks bleibt auch ohne diese Ergänzungen groß. Es nennt Personen, ein Datum und eine rechtliche Veränderung. Für unsere Ortsgeschichte ist das ein ungewöhnlich genauer Zugang zu einem einzelnen menschlichen Zusammenhang aus der Römerzeit.

Quellen und Hinweise

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