Ein Ortsname kann einer ganzen archäologischen Gruppe den Namen geben. „Chamer Kultur“ meint jedoch kein Volk, das sich selbst so genannt hätte. Der Begriff ordnet ähnliche Hinterlassenschaften aus dem späten Abschnitt der Jungsteinzeit.
Ein Name für einen Fundzusammenhang
Archäologinnen und Archäologen vergleichen Keramik, Werkzeuge, Siedlungen und Datierungen. Wiederkehrende Gemeinsamkeiten können als Gruppe beschrieben werden. Die Bezeichnung ist ein Forschungsinstrument; sie macht aus den damaligen Menschen noch keine einheitliche politische Gemeinschaft.
Das Naturhistorische Museum Nürnberg zeigt Funde aus einer Siedlung der Chamer Gruppe bei Landersdorf und datiert sie ungefähr auf 3000 vor Christus. Solche konkreten Grabungszusammenhänge sind hilfreicher als die frühere pauschale Bezeichnung „vergessene Hochkultur“.
Rohstoffe verbinden Landschaften
Alexander Binsteiner untersuchte die Silexgeräte des Erdwerks von Riekofen im Landkreis Regensburg. Silex ist ein für scharfkantige Werkzeuge verwendeter Kieselstein. Die Materialanalyse weist unter anderem Hornstein aus den Lagerstätten Arnhofen und Baiersdorf nach.
Vergleichbare Rohstoffe begegnen auch in weiter entfernten Fundorten. Damit werden Verbindungen sichtbar, deren genaue Wege und Organisation weiter zu untersuchen sind. Ein ähnliches Material allein entscheidet noch nicht, ob fertige Geräte, Rohstücke oder Menschen unterwegs waren.
Ein Erdwerk braucht eine genaue Auswertung
Gräben können eine Anlage abgrenzen. Ihre Füllungen bewahren Gegenstände verschiedener Art und unter Umständen auch älteres Material. Binsteiners Untersuchung berücksichtigt diese Möglichkeit ausdrücklich.
Ein Graben ist deshalb nicht automatisch der Beweis einer Schlacht. Auch Bestattungssitten und gesellschaftliche Unterschiede müssen anhand ihrer Befunde beschrieben werden. Die früher behaupteten weitreichenden Regeln zu Ahnenkult und Einzelgräbern sind in dieser Bearbeitung nicht belegt.
Die Verbindung nach Wörglham bleibt offen
Unsere örtliche Hammeraxt führt ebenfalls in die Jungsteinzeit. Ihre Zuweisung zur Chamer Gruppe ergibt sich daraus jedoch noch nicht. Dafür braucht es eine fachliche Bestimmung und geeignete Vergleichsstücke.
Der überregionale Rahmen hilft, die richtigen Fragen zu stellen: Woher kam das Material, wie wurde das Stück hergestellt und welche Formen sind zeitlich vergleichbar? So lässt sich ein einzelner Vachendorfer Fund in größere Zusammenhänge einordnen, ohne ihm eine Herkunftsgeschichte anzudichten.

