Eine Kirche ist schadhaft, die Verantwortlichen wollen handeln – und die Genehmigung reicht zunächst nur für das Dach. In Vachendorf wird Ende 1678 sichtbar, wie weit der Weg von einem dringenden Bedarf zu einem Neubau sein konnte. Die Entscheidung fiel nicht allein im Dorf.
Ein bauliches Problem wird zur Aktenfrage
Pfarrer Johannes Oppenrieder setzte sich für die Erneuerung der Vachendorfer Pfarrkirche ein. Die Bauvorbereitung ist in einem heute im Archiv des Erzbistums München und Freising erschlossenen Konvolut aus den Jahren 1677 bis 1682 überliefert. Es enthält auch Kostenvoranschläge.
Die ältere örtliche Bearbeitung der Akten beschreibt Schäden am Dach und am Baukörper sowie Schwierigkeiten bei der Nutzung des Kirchenraums. Solche Beschwerden verbanden zwei Fragen: War das Gebäude sicher und brauchbar? Und welche Maßnahme ließ sich finanzieren und genehmigen?
Warum Traunstein, Baumburg und München mitreden
Der Traunsteiner Pflegsverwalter Andreas Spannagl gehörte zum weltlichen Verwaltungsweg. Der Pfarrer musste zugleich kirchliche Zuständigkeiten berücksichtigen. Baumburg und die Salzburger Kirchenleitung erscheinen in diesem Zusammenhang neben der bayerischen Obrigkeit.
Das ist kein Widerspruch. Vachendorf lag im bayerischen Herrschaftsraum, während seine kirchlichen Verbindungen nach Salzburg führten. Ein Bauvorhaben berührte deshalb mehrere Arten von Zuständigkeit, darunter Aufsicht, Geld und kirchliche Nutzung.
Das auf K.u.H. erschlossene Schreiben vom 19. Dezember 1678 nennt zunächst eine eingeschränkte Erlaubnis für die Kirchendachung. Eine geplante umfassende Erneuerung und eine tatsächlich genehmigte Maßnahme waren also nicht dasselbe. Aus einem Antrag darf man noch keinen Baubeginn ableiten.
Ein Plan besitzt seine eigene Geschichte
Der Neubau ist mit dem Graubündner Baumeister Lorenzo Sciasca verbunden. Der Archivkatalog weist im Bauakt eine Grundrisskopie nach und hält fest, dass das Original 1985 in die Plansammlung überführt wurde. Dort wird ein Grundriss zur Vachendorfer Pfarrkirche von 1678 geführt.
Für unsere Spurensuche ist das wichtig: Ein historischer Plan muss heute nicht mehr neben den Briefen liegen, zu denen er einst gehörte. Die Geschichte seiner Aufbewahrung gehört zum Nachweis dazu.
Die Bauakten erzählen damit mehr als die Vorgeschichte eines Gebäudes. Sie zeigen, wie eine Gemeinde ihren Bedarf begründet, wie Pläne und Geld zusammenfinden müssen und wie langsam eine Entscheidung durch verschiedene Instanzen wandern kann. Die heutige Kirche lässt sich besser verstehen, wenn wir auch diesen Weg zu ihr lesen.
Quellen und Hinweise
- Archiv des Erzbistums München und Freising: PfarrA23068, Neubau der Pfarrkirche, 1677–1682
- Schreiben vom 19. Dezember 1678, örtliche Transkriptüberlieferung auf K.u.H.
- Peter von Bomhard: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Traunstein, Teil III, 1974, S. 60–61; zum Entwurf Lorenzo Sciasca und zur Baugeschichte
Redaktionell überarbeitet am 8. Oktober 2026.
Themen
Digitale OrtschronikFrühe NeuzeitHeimatkundlicher BeitragHistorischer Aufsatz