Ein Bischof gibt 1526 sein Amt auf und zieht nach Raitenhaslach. Berthold Pürstinger hatte zuvor zwischen aufständischen Bauern und dem Salzburger Erzbischof vermittelt. Nach seinem Rückzug beginnt ein weiterer Abschnitt seines Wirkens: Er schreibt über den christlichen Glauben auf Deutsch.
Chiemsee und Salzburg gehören zu seiner Amtswelt
Pürstinger wurde 1465 geboren. Nach einem Kirchenrechtsstudium in Perugia und einer Tätigkeit an der Salzburger Kurie ernannte ihn Leonhard von Keutschach 1508 zum Bischof von Chiemsee. Zugleich war er salzburgischer Weihbischof; seine Residenz war der Chiemseehof in Salzburg.
Ein Weihbischof übernimmt bischöfliche Aufgaben innerhalb einer größeren kirchlichen Ordnung. Die verschiedenen Amtsbezeichnungen sind deshalb zusammenzulesen. Der Name „Chiemsee“ allein erklärt weder seinen Wohnort noch alle seine Zuständigkeiten.
Zwischen den Parteien
Karl Eders Biografie nennt Vermittlungen von 1511 zwischen Salzburger Bürgerschaft und Erzbischof sowie von 1524 bis 1526 zwischen Bauern und Kardinal Matthäus Lang. Pürstinger stand selbst unter dem Druck der Auseinandersetzungen. Nach seinem Amtsverzicht ging er in das Zisterzienserkloster Raitenhaslach.
Vermittlung heißt hier, zwischen Parteien mit unterschiedlichen Ansprüchen zu handeln. Ob eine bestimmte Einigung dauerhaft trug, lässt sich nur an ihrem Verlauf beurteilen. Das Lob des milden Bischofs ersetzt diese Untersuchung nicht.
Glauben in der eigenen Sprache erklären
Seine „Tewtsche Theologey“ erschien 1528 in München, eine lateinische Fassung 1531 in Augsburg. Später lebte er in Saalfelden, wo sein Spital 1541 vollendet wurde. Dort starb er am 16. Juli 1543.
Ein theologisches Buch auf Deutsch gehört in eine Zeit, in der um kirchliche Lehre und Reform öffentlich gestritten wurde. Es macht die Sprache selbst zum Teil der Geschichte: Wer kann einen Text lesen, verstehen und weitergeben? Die Verbindung zu unserem Interesse an älteren deutschen Texten liegt in dieser Frage.
Eine regionale Biografie verlangt einzelne Nachweise
Das Chiemseeamt führt Pürstinger in unseren historischen Zusammenhang. Für eine Tätigkeit in einer bestimmten Dorfkirche braucht es dennoch einen datierten Beleg. Amtsgebiet, persönlicher Besuch und spätere Erinnerung sind unterschiedliche Dinge.
Auch seine Bücher verlangen genaue Zuordnung. Die Autorschaft der Reformschrift „Onus ecclesiae“ ist umstritten; sie wird hier nicht als gesichert behandelt. Pürstingers belegtes Leben bietet bereits genug Stoff: einen Amtsträger, der Konflikte erlebte, sich zurückzog und dann neue Formen des Wirkens fand.
Quellen und Hinweise
Redaktionell überarbeitet am 8. Oktober 2026.
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