
Bürgerversammlung Vachendorf: von Spiegeln, Zahlen und einem stillstehenden Gasthaus
Pressebericht von Jochen Nistler · Ereignisdatum 07.11.2025 · DOCX-Arbeitsstand vom 09.11.2025
Berichtet über: Bürgerversammlung Vachendorf am 7. November 2025
Das seit Jahren stillstehende Gasthaus zur Post in Vachendorf. Foto: Jochen Nistler.
Bürgerversammlung Vachendorf: von Spiegeln, Zahlen und einem stillstehenden Gasthaus
Viel Dank, manche Frage und ein Thema, das einfach nicht verschwindet
Das Gasthaus zur Post steht leer. Nicht erst seit Monaten, sondern seit Jahren. Es ist ein Ort, der fehlt und der immer wieder genannt wird, wenn Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen. So auch bei der Bürgerversammlung am vergangenen Freitag. Als das Thema gegen Ende der Veranstaltung zur Sprache kam, war sie wieder spürbar: die Mischung aus Resignation und stillem Ärger, die dieses Projekt inzwischen begleitet. Die Gemeinde bemüht sich um Auskunft, der Eigentümer kündigt Fortschritte an doch der Zweifel bleibt.
Die Bürgerversammlung am 7. November war gut besucht. Im Haus der Dorfgemeinschaft fanden sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ein, um sich über die Entwicklung der Gemeinde zu informieren und auch selbst das Wort zu ergreifen. Bürgermeister Rainer Schroll eröffnete den Abend mit einem Gedenken an die Verstorbenen und leitete dann über in den gemeindlichen Teil. Dabei konnte er eine erfreuliche Nachricht überbringen: Die Gemeinde verfügt über ein Guthaben von rund 2,5 Millionen Euro. Eine Zahl, die in der heutigen Zeit für Aufmerksamkeit sorgt und in Vachendorf auch für Anerkennung. Der Bürgermeister fand lobende Worte für die örtlichen Vereine, deren ehrenamtliches Engagement das soziale und wirtschaftliche Gefüge der Gemeinde wesentlich stärke.
Neben größeren Projekten wie der abgeschlossenen Rathaussanierung, der Sanierung der Schmidgasse oder der geplanten Erweiterung der offenen Ganztagsschule berichtete Schroll auch über kleinere Maßnahmen. Eine davon wurde mit besonderem Applaus bedacht: Die Gemeinde ließ einen Verkehrsspiegel am Dorfplatz installieren, um die Einmündung Siegsdorfer Straße zur Hauptstraße sicherer zu machen. Die Überraschung: Ein Bürger, der nicht genannt werden möchte, war so erfreut über diese Verbesserung, dass er die Kosten in Höhe von rund 1.500 Euro vollständig übernahm. Der Bürgermeister würdigte die Geste öffentlich und im Saal erfolgte spontaner Beifall. Der Vorstand des Trachtenvereins, Max Meisinger, dankte der Gemeinde im weiteren Verlauf der Versammlung für die Unterstützung bei der Festwoche und sorgte dann für allgemeines Schmunzeln indem er vorschlug mit dem Geld aus der Spende gleich einen zweiten Verkehrsspiegel beim Festplatz zu errichten.
Weitere Themen aus dem Rathaus reichten vom neuen Passbildservice über die Einführung eines sozialen Fahrdienstes durch die Bürgerhilfe Bergen-Vachendorf bis hin zum monatlichen Kinderkino für die Jüngsten im Dorf. Auch der angekündigte Breitbandausbau durch Avacomm im kommenden Frühjahr wurde mit Interesse aufgenommen. Die neue Schulleiterin der Grundschule Frau Dr. Christine Mix wurde vorgestellt, ebenso geplante bauliche Maßnahmen in grösserem Umfang zur Erweiterung der Mittagsbetreuung.
Im zweiten Teil der Versammlung waren es dann die Bürgerinnen und Bürger, die das Wort ergriffen. Engagiert, sachlich und mit einem bemerkenswert konstruktiven Ton. Es war auffällig, dass auch Redebeiträge mit einem ausdrücklichen Dank begannen. Die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und örtlichen Einrichtungen wurde mehrfach gewürdigt. Neben dem bereits erwähnten Beitrag des Trachtenvereins bedankte sich auch die Leiterin der Bücherei Christl Schmid für die Unterstützung durch die Gemeinde und rief dazu auf, das Angebot der Bücherei auch weiterhin gut zu nutzen. Die Ortsheimatpflegerin Angelika Nistler berichtete von verschiedenen Aktivitäten im Bereich der Kultur- und Heimatpflege und dankte allen Beteiligten für die Unterstützung. Von Kirchenpfleger Franz Haberlander kam Dank für die Beteiligung der Gemeinde bei der Sanierung der Kirchturmuhr. Der zweite Bürgermeister Josef Huber lobte Bürgermeister Rainer Schroll für die gute Zusammenarbeit und erinnerte im Namen der Feuerwehr zugleich an die Bedeutung funktionierender Rauchmelder. Besonders hob er hervor, wie wichtig ein sorgsamer Umgang mit Akkus sei, da diese zunehmend als Ursache von Bränden festgestellt würden.
Ein Bürger sprach sich sehr deutlich für mehr Sauberkeit im Ortsbild aus und bat die Gemeinde, hier künftig verstärkt ein Auge darauf zu werfen. Konkrete Wortmeldungen kamen auch zum Bereich der Verkehrssicherheit: Die Wirkung der neu aufgestellten Geschwindigkeitsmesstafel am Ortseingang von Mühlen wurde ausdrücklich gelobt. Sie habe das Fahrverhalten spürbar verändert, hieß es verbunden mit dem Wunsch, die Tafel doch dauerhaft zu installieren. Auch auf der kurzen Strecke zwischen Vachendorf und Mühlen, unweit des Sportplatzes, wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung angeregt. Der Bürgermeister sagte zu, das Anliegen an den Landkreis weiterzugeben.
Ein wichtiges kulturhistorisches Thema wurde mit dem sogenannten Jubiläumsstein angesprochen, der an das 1200-jährige Bestehen Vachendorfs erinnert. Derzeit steht er relativ unbeachtet am Rand eines Radwegs in der sogenannten Schinderhölle. Die Pflege sei aufwendig, der Standort ungünstig. Vorgeschlagen wurde, den Stein auf eine gemeindliche Fläche nahe dem Viadukt zu versetzen, wo er besser sichtbar wäre. Ein Vorschlag, der zum Nachdenken anregte und Zustimmung fand.
Auch infrastrukturelle Themen wurden thematisiert. Mehrere Bürger äußerten Unmut darüber, dass Wohnmobile zunehmend an öffentlichen Stellen wie Tennisplatz, Schwimmbad und Schule campierten. Hierzu wurde auch der Vorschlag, am Festplatz eine offizielle Stellfläche auszuweisen vorgetragen. Eine weitere Anregung, die auf breite Zustimmung stieß, betraf das Wahlplakatwesen: Statt des bisher oft als störend empfundenen Plakatierens im ganzen Ort wurde vorgeschlagen, für künftige Wahlen zentrale Tafeln aufzustellen – einfach zugänglich und gut sichtbar.
Gegen Ende der Versammlung kam erneut das Thema Gasthaus zur Post zur Sprache. Das Dauerthema in der Gemeinde, das seit Jahren die Geduld vieler Bürgerinnen und Bürger auf die Probe stellt. Noch bevor Bürgermeister Rainer Schroll antwortete, war bereits im Saal eine Mischung aus Unmut und Ermüdung spürbar. Schroll erklärte, dass die Gemeinde regelmäßig beim Eigentümer nachhake. Laut dessen Aussage soll der Bau im April kommenden Jahres weitergeführt werden. Die Reaktion der Bürger darauf war allerdings verhalten, denn zu oft wurde schon ähnliches angekündigt. Die Skepsis überwog. Solange sich vor Ort nichts verändert, bleibt das Gasthaus zur Post ein sichtbares ungelöstes Problem mitten im Ort und ein Ärgernis in der Wahrnehmung der Vachendorfer.
Quellen und Hinweise
Quelle: DOCX-Hauptfassung von Jochen Nistler, SHA-256 6a42d48de487d9b2e279d54d24eeded9cb83e9edd39d61cb270d07134dc68114. Ereignisdatum: 07.11.2025; DOCX-Arbeitsstand: 09.11.2025. Die ausgewählten Bilddateien liegen als zugehörige Originale im selben Publikationsarchiv; Fotograf: Jochen Nistler. Vor der Veröffentlichung wurde der öffentliche Bestand auf Titel-, Slug-, Absatz- und Volltextdubletten geprüft.