
Ortsheimatpfleger treffen sich in Waging: Geschichte, Austausch und neue Impulse
Pressebericht von Jochen Nistler · Ereignisdatum 18.10.2025 · DOCX-Arbeitsstand vom 09.12.2025
Berichtet über: halbjährliches Treffen der Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger des Landkreises Traunstein am 18. Oktober 2025 in Waging
Bürgermeister Matthias Baderhuber überreicht dem neuen Ortsheimatpfleger Wolfgang Kreuz die Ernennungsurkunde; begleitet werden sie von Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika und Franz Patzelt. Foto: Jochen Nistler.
Ortsheimatpfleger treffen sich in Waging: Geschichte, Austausch und neue Impulse
Waging am See. Auf Einladung von Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika trafen sich am Samstag die Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger des Landkreises Traunstein zu ihrem halbjährlichen Austausch im Kurhaus in Waging. Zu Beginn der Veranstaltung bedankte sich Dr. Soika bei Herrn Andreas Barmbichler für die Räumlichkeiten im Kurhaus und bei der Gemeinde Waging für die Übernahme der Bewirtung. Er begrüßte Bürgermeisterin Stefanie Lang (Taching), Bürgermeister Matthias Baderhuber (Waging), Dr. Jürgen Eminger (Barockmuseum), den neuen Ortsheimatpfleger Wolfgang Kreuz und dessen Vorgänger und Waginger Ehrenbürger Franz Patzelt. Daraufhin erhielt der neue Ortsheimatpfleger von Waging, Wolfgang Kreuz, offiziell seine Ernennungsurkunde.
Barocke Schätze im Strandkurhaus
Einen besonderen Auftakt bildete die Führung durch das Barockmuseum Waging, das sich in den oberen Stockwerken des Strandkurhauses befindet. Dieses Museum ist ein außergewöhnlicher Ort und das nicht nur wegen seiner Sammlung, sondern wegen seiner Geschichte. Der Waginger Landwirt und spätere Bürgermeister Sebastian Schubeck hatte das Gebäude einst aufgebaut und es über Jahrzehnte hinweg mit einer tiefen Leidenschaft für das Barock erfüllt. Er lebte selbst inmitten dieser Welt aus vergoldeten Rahmen, Skulpturen und Möbeln, die er mit sicherem Blick und großem Gespür zusammentrug. Was heute als Museum zu besichtigen ist war einst sein privates Wohnreich ein Gesamtkunstwerk aus Leben und Stil, wie es in dieser Form kaum ein zweites Mal vorkommen dürfte.
Unter der kunsthistorischen Betreuung von Dr. Jürgen Eminger ist die Sammlung nach telefonischer Anmeldung auch öffentlich zugänglich. Sie zeigt, dass hier nicht nur Dinge bewahrt werden, sondern eine Haltung: jene hingebungsvolle Freude am Schönen. Dr. Eminger erläuterte anschaulich die Entwicklung des Barock, von der Symmetrie zur verspielten Asymmetrie des Rokoko und zeigte auch wie sich regionale Stile vom oberbayerischen bis zum venezianischen Barock unterscheiden. Die Führung stieß auf große Resonanz und machte deutlich, dass dieses Museum mehr Aufmerksamkeit verdient.
Waging – ein Ort mit Geschichte und Verantwortung
Im Anschluss stellte Wolfgang Kreuz seinen Heimatort Waging vor. Fundiert, klar gegliedert und mit sichtbarer Leidenschaft. Er spannte den Bogen von der Entstehung der Moränenlandschaft durch den Salzachgletscher über die Hydrologie des Waginger Sees bis hin zu Flora, Fauna und aktueller Umweltentwicklung.
Kreuz erinnerte daran, dass um 1950 Flusskrebse und die kleine Maräne aus dem See verschwanden, eine Folge der einsetzenden intensiven Düngung. In den 1970er Jahren drohte der See zu kippen, konnte dann aber durch den Bau des Ringkanals gerettet werden. Mit Blick auf heutige Landwirtschaft und Tourismus appellierte er an einen „achtsamen Umgang mit der Natur und ihren Kreisläufen“.
Sein geschichtlicher Überblick reichte von der Bronzezeit bis in die Gegenwart, von vermuteten Pfahlbauten am Nordufer über römische Villen und bajuwarische Gräberfelder bis hin zu den Adelsgeschlechtern des Mittelalters. Kreuz’ Vortrag verband wissenschaftliche Sorgfalt mit spürbarer Liebe zum Ort.
Engagement und Herausforderungen
In der anschließenden Kaffeepause berichtete Kreisheimatarchivar Albert Rosenegger über seine Arbeit. Er nannte eindrucksvolle Beispiele aus Archiven der Region, etwa ein nahezu lückenlos erhaltenes Rechnungsbuch eines alten Kolonialwarengeschäfts in Altenmarkt oder Urkunden eines Bauernhofs, die bis in die Zeit der Zehntzahlungen zurückreichen.
Zur Sprache kamen dann auch aktuelle Herausforderungen: das Bajuwarenmuseum Waging, dessen Potential bislang wenig genutzt wird, ebenso wie die Zukunft des Krippenmuseums in Siegsdorf, das wegen baulicher Mängel gefährdet ist. Auch Themen wie Digitalisierung historischer Fotos wurden diskutiert.
Spurensuche im Adelsgeschlecht der Trauner
Zum Abschluss stellte Wolfgang Kreuz seine jüngste Forschung über das Adelsgeschlecht der Trauner vor, deren Grabstätte sich in Waging befindet. Er berichtete, wie er über Epitaphien, Wappenregister und digitale Wege den Spuren der Familie nachging und dabei methodisch akribisch vorging.
Sein Vortrag bot nicht nur Einblicke in ein Stück Regionalgeschichte, sondern auch in die Arbeitsweise eines Heimatpflegers, der mit detektivischem Gespür forscht. „Es ist für meine Gemeinde wichtig“, sagte Kreuz, „und es macht Freude, immer wieder Neues zu entdecken.“
Heimatpflege ist das Gedächtnis unserer Kultur
Das Treffen der Heimatpfleger zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und lebendig Heimatpflege heute verstanden wird. Sie bewegt sich zwischen Kunst und Archiv, zwischen Landschaft und Verantwortung, zwischen Forschung und Wissensvermittlung. Heimat, das wurde an diesem Nachmittag spürbar, ist keine fertige Größe, sondern sie wächst mit denen die sich ihr zuwenden und die sich um sie kümmern.
Quellen und Hinweise
Quelle: DOCX-Hauptfassung von Jochen Nistler, SHA-256 ce44688f9ab1a64c876f22a68afbb8f33154a9bcddf0a6a1368f3337eabcdbad. Ereignisdatum: 18.10.2025; DOCX-Arbeitsstand: 09.12.2025. Die ausgewählten Bilddateien stammen aus dem zugehörigen Publikationsordner; Fotograf: Jochen Nistler. Vor der Veröffentlichung wurde der öffentliche Bestand auf Titel-, Slug-, Absatz- und Volltextdubletten geprüft.