Zwischen den Bücherregalen wurde geschaut, gefragt und erzählt. Schon die Besichtigung der Gemeindebücherei zum Auftakt zeigte, wie rasch Bücher Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Mehr als 60 Teilnehmer kamen am Freitag, 6. November, zur Jahresversammlung der Kreisarbeitsgemeinschaft der Büchereien des Sankt Michaelsbundes aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land nach Vachendorf. Der Nachmittag bot fachliche Anregungen, Erfahrungsaustausch und reichlich Gelegenheit zum gemeinsamen Lachen.
Nach dem Rundgang begrüßten Anja Schaub und Gastgeberin Christa Schmid die Gäste im Pfarrsaal. Seit 80 Jahren gibt es die Bücherei in Vachendorf. Rund 5.500 Bücher umfasst ihr Bestand, etwa 300 Menschen nutzen das Angebot regelmäßig. Darunter seien auch viele junge Leser, berichtete Schmid.
Eine besondere Verbindung zwischen Bücherei und Ortsgeschichte stellte Bürgermeister Rainer Schroll her. Wie er ausführte, sei eine eigene Bücherei während der Gebietsreform eine Voraussetzung dafür gewesen, dass Vachendorf als selbstständige Gemeinde bestehen bleiben konnte. Das Engagement der Gemeinde für ihre Bücherei habe damit auch einen handfesten historischen Hintergrund.
Kirchenpfleger Franz Haberlander würdigte die ehrenamtliche Arbeit der versammelten Büchereiteams. Für Heiterkeit sorgte seine Beobachtung zu den sonntäglichen Öffnungszeiten: Manchmal habe er beinahe den Eindruck, dass mehr Menschen in die Bücherei gingen als in die Kirche.
Welche Möglichkeiten Büchereien über die Ausleihe hinaus bieten, zeigten Beispiele aus Reit im Winkl. Anja Schaub berichtete von einer gut angenommenen, sorgfältig zusammengestellten Bergbuchausstellung. Beim dortigen Stricktreff entstehen zudem Dreiecktücher, die der Onkologie in Traunstein kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Bücherei wird so zum Treffpunkt, an dem gemeinsames Tun und soziales Engagement zusammenfinden.
Sabine Adolph vom Sankt Michaelsbund rückte die Bedeutung der Büchereien für die Demokratie in den Mittelpunkt. Verlässliche Informationen ermöglichten eigenständige Meinungsbildung. Eine vorgestellte Selbstverpflichtungserklärung machte diesen Anspruch sichtbar. Zugleich seien Büchereien Orte der Gemeinschaft und Teil eines Netzwerks, von dessen Erfahrungen die einzelnen Teams profitieren könnten.
Für die praktische Arbeit gab es zahlreiche Anregungen: von Vorleseaktionen gegen Einsamkeit bis zu Ideensammlungen für eigene Veranstaltungen. Solche Vorschläge ließen sich wie Kochrezepte verwenden, erläuterte Adolph: ausprobieren, abwandeln und den örtlichen Möglichkeiten anpassen. Anja Schaub stellte außerdem Bücherboxen vor, die Geschichten mit Fragen und Aktionen für Kinder verbinden, beispielsweise zum Thema Gefühle.
Lebhaft wurde es beim Vortrag der kriminalpolizeilichen Fachberaterin Nicol Mayer über Sicherheit in und auf dem Weg zur Bücherei. Mit anschaulichen Beispielen und der unüberhörbaren Demonstration eines Schrillalarms erläuterte sie die drei großen L: Lärm, Licht und Leute. Gut beleuchtete Wege, klare Ansagen und das frühzeitige Holen von Hilfe gehörten zu ihren Empfehlungen. Bei einem Überfall habe die eigene Sicherheit Vorrang vor Geld oder anderen Wertgegenständen.
Zum Abschluss tauschten sich die Teilnehmer über praktische Fragen ihrer Arbeit aus. Als Thema für ein künftiges Treffen wurde Cybersicherheit angeregt. Auch der Zeitschriftenbezug und die Frage, wie Jugendliche zwischen zwölf und fünfzehn Jahren für das Lesen gewonnen werden können, beschäftigten die Runde. Dabei warb man für Gelassenheit: Den Kontakt offenhalten, ohne zu belehren, und darauf vertrauen, dass junge Menschen auch später wieder zur Bücherei finden können.
Der Nachmittag machte deutlich, wie viel Büchereien zur regionalen Vielfalt beitragen und wie sehr sie als Orte der Begegnung die Identität ihrer Gemeinden prägen.
