
„Land ist Trumpf“: Hubert Aiwanger spricht im Vachendorfer Festzelt
Pressebericht von Jochen Nistler · Ereignisdatum 26.05.2025 · DOCX-Arbeitsstand vom 27.05.2025
Berichtet über: Politischer Abend beim Jubiläum des GTEV Edelweiß am 26. Mai 2025
Hubert Aiwanger beim Politischen Abend in Vachendorf: „Land ist Trumpf – gerade in Zeiten wie diesen.“. Foto: Jochen Nistler.
„Land ist Trumpf“: Hubert Aiwanger spricht im Vachendorfer Festzelt
Rund 600 Besucherinnen und Besucher füllten am Montagabend das Festzelt in Vachendorf, als die Chiemgau-Böhmischen mit dem Bayerischen Defiliermarsch den prominenten Gast begrüßten: den stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger. Im Rahmen des 105-jährigen Jubiläums des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins Edelweiß hatte der Verein zu einem Politischen Abend geladen. Schon beim Einmarsch des Ministers brandete Applaus auf – viele Gäste hatten sich bewusst für diesen Abend Zeit genommen, um aktuelle Themen einmal direkt „im Bierzelt“ zu hören.
Festleiter Felix Ederer hieß die Ehrengäste willkommen und übergab das Wort an Bürgermeister Rainer Schroll. Dieser nutzte die Gelegenheit, um die Anliegen einer finanzschwachen ländlichen Gemeinde direkt an die Landespolitik heranzutragen. Er sprach die Abhängigkeit von Zuschüssen – etwa beim Hochwasserschutz – ebenso an wie die Herausforderungen beim Ausbau der Ganztagsbetreuung. Besonders deutlich wurde Schroll beim Thema Bürokratie: Die kommunale Selbstverwaltung werde durch Vorgaben von Landesebene zunehmend ausgebremst. Seine Bitte an den Minister: „Setzen Sie sich für spürbaren Bürokratieabbau ein.“
Anschließend trat der stellvertretende Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) ans Mikrofon. Er lobte die unkomplizierte Einladung an Aiwanger als Zeichen gelebter Bürgernähe und bedankte sich beim Trachtenverein für die Ausrichtung der Veranstaltung. Mit einem Hinweis auf die Verbundenheit der Freien Wähler mit dem ländlichen Raum bat er schließlich den Minister aufs Podium – und übergab das Wort.
Aiwanger nutzte seine rund einstündige Rede für eine kraftvolle Standortbestimmung: Bayern stehe mit seinen gewachsenen Strukturen „typisierend für ganz Deutschland“, so der Minister. Gerade die Regionen seien es, „wo unsere Kultur lebt – Land ist Trumpf“. Dabei stellte er wiederholt den Bezug zur Lebenswirklichkeit kleiner Gemeinden wie Vachendorf her.
Besonders ausführlich sprach Aiwanger über die Landwirtschaft. Er bekannte sich klar zur Anbindehaltung: „Nicht jeder Kleinbetrieb kann einfach auf einen Laufstall umstellen.“ Auch beim Thema Gülleausbringung kritisierte er sture Technikvorgaben. In der Debatte um den Wolf forderte er eine klare Linie im Jagdrecht: „Wir können nicht die Weidewirtschaft fördern und zugleich den Schutz der Herden unmöglich machen.“
Ein zentrales Thema des Abends war zudem die Energieversorgung im ländlichen Raum. Aiwanger warb für die Nutzung regionaler Ressourcen wie Holz und verwies auf die Holzausbildung in der Laubau: „Ein Ster Brennholz ersetzt 120 Liter Heizöl – das ist sinnvoller, als Energie aus Übersee zu importieren.“ Die Wärmeplanung der Gemeinden müsse sich an solchen Möglichkeiten orientieren, nicht an pauschalen Vorgaben. Dass bayerische Wälder wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll genutzt würden, sei ein zentraler Beitrag zum Klimaschutz – und zur Versorgungssicherheit.
Lebhaften Applaus erhielt der Minister auch für seine Kritik an überbordender Bürokratie. Anhand des Beispiels eines Handwerksmeisters schilderte er bürokratische Hürden und forderte: „Wenn einer investieren will, dann gehört er nicht mit einem Haselmaus- oder Zauneidechsen-Gutachten vertröstet, sondern er gehört mit Kaffee und Schwarzwälder Kirschkuchen begrüßt.“ Die Verwaltung solle der Wirtschaft helfen – nicht sie aufhalten.
Aiwanger würdigte ausdrücklich die Rolle des Trachtenvereins für den Erhalt von Tradition und Gemeinsinn. „Wer seine Heimat kennt und lebt, braucht keine neuen Lebenskonzepte aus dem Lehrbuch.“ Gerade in unsicheren Zeiten böten Vereine wie der GTEV „Orientierung, Zusammenhalt und Verantwortung über Generationen hinweg.“
Im gesellschaftlichen Teil der Rede hob Aiwanger die Bedeutung familiärer Strukturen hervor: „Drei-Generationen-Haushalte galten früher als überholt. Heute sind sie ein Vorteil – gerade auf dem Land.“ Nachbarschaftshilfe und Ehrenamt müssten gestärkt werden, auch im Blick auf die zunehmende Zahl älterer Menschen. Vieles lasse sich mit bürgerschaftlichem Engagement besser lösen als durch rein institutionelle Angebote – „das kriegen wir am Land eher hin als in der anonymen Stadt.“
Dabei blieb es nicht beim Kommunalen. Immer wieder griff Aiwanger auch bundespolitische Themen auf – pointiert und mit klarer Haltung. Beim Thema Migration forderte er klare Konsequenzen für Straftäter ohne deutschen Pass und kritisierte eine seiner Meinung nach zu lasche Integrationspolitik. In der Bildungspolitik sprach er sich gegen „Gender-Experimente“ aus und warb für eine stärkere Förderung technischer Berufe und des Handwerks. Auch das Bürgergeld griff er auf – mit der Forderung, Leistungsanreize zu stärken und Missbrauch zu verhindern. Zudem wandte er sich gegen ein Verbot des Verbrennungsmotors und warb für technologieoffene Lösungen wie Wasserstoff.
Zum Ende wurde Aiwanger grundsätzlich: Es gehe darum, „mit gesundem Menschenverstand und bewährten Themen unsere Heimat und unsere Kultur zu erhalten“. Der Trachtenverein habe dies in den vergangenen 105 Jahren beispielhaft vorgemacht. „Deshalb ist es mir eine Ehre, heute hier sein zu dürfen.“ Nach seiner Rede mischte sich der Minister unter die Gäste, zeigte sich volksnah, nahm sich Zeit für Selfies und Gespräche – ganz so, wie er es selbst formulierte: „Der Stammtisch ist unsere Informationsplattform.“
Im Anschluss beschloss der Gebirgstrachtenerhaltungsverein das Festwochenende mit einem Dank an alle Mitwirkenden. Höhepunkt des Ausklangs war die Aufführung des traditionellen Sterntanzes durch die Vachendorfer Trachtengruppe – ein lebendiges Zeichen dafür, dass gelebtes Brauchtum und politische Diskussion sich in Vachendorf nicht ausschließen müssen. So wurde der Politische Abend nicht nur zu einem würdigen Jubiläum, sondern auch zu einem pointierten Schlaglicht auf die Themen, die das Land derzeit bewegen – auf bayerische Art, mit Haltung, Musik und Handschlag.




Quellen und Hinweise
Quelle: DOCX-Hauptfassung von Jochen Nistler, SHA-256 4eb9ac5fad40de6998420551f12cb2761fdd15ebd71ac8953d1a49749231e271. Ereignisdatum: 26.05.2025; DOCX-Arbeitsstand: 27.05.2025. Die ausgewählten Bilddateien liegen als zugehörige Originale im selben Publikationsarchiv; Fotograf: Jochen Nistler. Vor der Veröffentlichung wurde der öffentliche Bestand auf Titel-, Slug-, Absatz- und Volltextdubletten geprüft.