Historischer Aufsatz

Als ein gefangener Erzbischof einen Krieg auslöste

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Städtekrieg 1387–1389: Verlauf. Eigene historische Informationstafel.

Eine Gefangennahme setzt ein Bündnis in Bewegung und führt zum Krieg.

Städtekrieg: König, Fürsten und Städte. Eigene historische Informationstafel.

Städte, Fürsten und König streiten um Rechte und politische Ordnung.

Städtekrieg: Chiemgau und offene örtliche Lasten. Eigene historische Informationstafel.

Die Nähe des Krieges ist belegt; seine Lasten für Vachendorf bleiben zu erforschen.

1387 lässt Herzog Friedrich von Bayern den Salzburger Erzbischof Pilgrim in Raitenhaslach gefangen nehmen. Daraus wird ein Krieg um die Selbstständigkeit der Städte. Sein Ausgangspunkt liegt nahe am Chiemgau – und führt zu der Frage, welchen Preis das umliegende Land für die Politik seiner Herrscher zahlte.

Ein Bündnis, das Bayern unter Druck setzt

Am 27. November 1387 gerät Pilgrim II. von Puchheim im Kloster Raitenhaslach in die Gewalt Herzog Friedrichs. Der Herzog lässt ihn nach Burghausen bringen. Mit Pilgrim ist ein Mann gefangen, der zugleich Kirchenoberhaupt und Landesherr ist.

Salzburg gehört damals zum Reich, besitzt aber eine eigene weltliche Herrschaft. Der Erzbischof verfügt über Burgen, Einkünfte und bewaffnete Helfer. Kirchliche Zuständigkeit und politische Herrschaft sind dabei nicht deckungsgleich: Zum Erzbistum gehören auch Gebiete, die Pilgrim nicht als Landesherr regiert.

Friedrich regiert seit 1375 zusammen mit seinen Brüdern Stephan III. und Johann II. große Teile Bayerns. Erst 1392 entstehen durch eine endgültige Teilung die Herzogtümer Bayern-Landshut, Bayern-München und Bayern-Ingolstadt. Im Städtekrieg arbeiten die Brüder gegen gemeinsame Gegner zusammen.

Pilgrim gehört zu diesen Gegnern. Bayern und Salzburg streiten um Einfluss im südöstlichen Grenzraum, unter anderem um Berchtesgaden. Dort verbinden sich Schulden und ein Streit um die Leitung des Stifts mit dem Wettbewerb um Salz und Herrschaft.

Im Sommer 1387 schließt Pilgrim ein Bündnis mit den schwäbischen Bundesstädten. Für Bayern entsteht eine bedrohliche Verbindung: Städte im Nordwesten und Salzburg im Südosten unterstützen sich nun gegenseitig. Friedrich will diese Verbindung aufbrechen.

Die Gefangennahme dient dazu, Pilgrim zum Verzicht auf das Bündnis zu zwingen. Dazu kommen Angriffe auf wirtschaftliche Interessen: Kaufleute der Bundesstädte werden festgehalten, ihre Waren beschlagnahmt. Friedrich greift damit genau jene Sicherheit an, die das Bündnis gewährleisten soll.

Warum Städte gemeinsam zu den Waffen greifen

Das damalige Reich ist ein Gefüge vieler Herrschaften. Herzöge, Grafen, Bischöfe und Städte besitzen eigene Rechte. Der König steht über ihnen, kann seine Entscheidungen aber nur durchsetzen, wenn andere ihn unterstützen.

Eine Reichsstadt untersteht unmittelbar dem König und keinem benachbarten Fürsten. Das gibt ihrem Rat Spielraum, städtische Angelegenheiten selbst zu regeln. Für ihre Bürger geht es um Rechte, Handel und Schutz vor fremdem Zugriff.

Doch auch der König kann diese Selbstständigkeit gefährden. Braucht er Geld oder politische Unterstützung, kann er Rechte an einer Stadt verpfänden. Ein anderer Herr erhält damit Zugriff; bleibt die Auslösung der Pfandschaft aus, droht der Stadt dauerhafte Abhängigkeit.

Aus solchen Erfahrungen entsteht 1376 der Schwäbische Städtebund. 1381 verbindet er sich mit dem Rheinischen Städtebund. Zu den beteiligten Städten gehören Ulm, Augsburg, Nürnberg und Regensburg. Ihr Schutzversprechen macht aus dem Angriff auf einen Partner eine gemeinsame Angelegenheit.

Die Fürsten organisieren ihre Interessen ebenfalls. Und der König verfolgt ein eigenes Ziel: Er beansprucht, über Frieden und Ordnung im Reich zu bestimmen. Eigenständig handelnde Städtebünde können auch seine Autorität begrenzen.

Pilgrim passt deshalb nur auf den ersten Blick schlecht auf die städtische Seite. Er ist ein Fürst, der für seine eigene Politik städtische Verbündete sucht. Die Fronten folgen Interessen, nicht einer einfachen Trennung zwischen Bürgern und Adel.

Nach seiner Gefangennahme müssen die Städte handeln, wenn ihr Schutzversprechen glaubwürdig bleiben soll. Anfang 1388 ziehen sie gegen Bayern. König Wenzel unterstützt zunächst ihr Vorgehen. Der Streit im bayerisch-salzburgischen Nachbarraum greift weit nach Süddeutschland aus.

Regensburg hält stand – der Städtebund verliert

Regensburg gehört seit 1381 zum Städtebund. Die Stadt liegt mitten im bayerischen Machtbereich und verteidigt ihre Selbstständigkeit gegen die Herzöge. Hier wird der Konflikt besonders greifbar: Ein Rat behauptet das Recht seiner Stadt gegenüber einem fürstlichen Nachbarn.

Ratsherren führen Verhandlungen, organisieren die Verteidigung und entscheiden über Geld. Städtische Selbstverwaltung bedeutet dabei keine Demokratie nach heutigem Verständnis. Politischer Einfluss ist ungleich verteilt; dennoch besitzt die Stadt eine eigene Führung, die einem Herzog entgegentreten kann.

Friedrich und seine Verbündeten können Regensburg im Krieg von 1388 nicht unterwerfen. Im Umland ist die Lage anders. Nach der älteren Darstellung seiner Biografie nimmt Friedrich bei Donaustauf nach Beschuss den Markt und die Kirche ein. Die Burg widersteht.

Das ist ein aufschlussreicher Unterschied: Eine Befestigung kann standhalten, während Menschen und Gebäude in ihrer Umgebung den Angriffen ausgesetzt bleiben. Erfolgreiche Verteidigung schützt nicht automatisch das ganze Land vor den Folgen eines Kriegs.

Andernorts erleiden die Städte schwere Niederlagen: im August 1388 bei Döffingen, im November bei Worms. Auch ihr Zusammenhalt gerät unter Druck. Wenzel wechselt schließlich auf die Seite der Fürsten.

Der Landfriede von Eger vom 5. Mai 1389 soll Gewalt beenden und Streit unter verbindliche Regeln stellen. Seine Bestimmungen begünstigen die Fürsten und untersagen Städtebünde. Friedrich wird erheblicher Einfluss auf dieses Ergebnis zugeschrieben.

Regensburg hat seine Selbstständigkeit verteidigt. Der Städtebund verliert dennoch politisch. Friedrich erreicht auf dem Verhandlungsweg einen Erfolg, den ihm seine militärischen Unternehmungen nicht überall gebracht haben. Pilgrim sucht ebenfalls einen eigenen Ausgleich mit Bayern.

Was dieser Krieg mit dem Chiemgau zu tun hat

Von Vachendorf aus betrachtet liegt der Ausgangspunkt dieses Konflikts nahe. Raitenhaslach und Burghausen gehören zu unserer weiteren Nachbarschaft. Bayern schickt auch Truppen ins Salzburger Land. Der südöstliche Grenzraum ist Teil des Kriegsgeschehens.

Die politische Landkarte sieht allerdings anders aus als heute. Der Chiemgau gehört zum bayerischen Herrschaftsraum; der benachbarte Rupertiwinkel ist salzburgisch. Wer die damaligen Zuständigkeiten verstehen will, muss die heutigen Landkreisgrenzen beiseitelassen.

Ein Heer entsteht durch unterschiedliche Verpflichtungen und Vereinbarungen: durch adlige Gefolgschaften, Helfer verbündeter Herren, bezahlte Kriegsknechte und gegebenenfalls örtliche Aufgebote. Wie Friedrich sein Heer 1387 und 1388 im Einzelnen zusammenstellt, ist bislang nicht ausreichend erschlossen.

Eine ältere Forschungsarbeit nennt bereits für 1377 ein Bauernaufgebot unter Friedrich. Das macht die Frage nach bäuerlicher Beteiligung wichtig. Es beweist jedoch noch nicht, dass Menschen aus dem Chiemgau im Städtekrieg mitziehen.

Auch abseits der Kämpfe braucht Krieg Geld und Versorgung. Pferde müssen gefüttert, Menschen verpflegt und Güter transportiert werden. Für ländliche Haushalte können Abgaben, Dienste oder fehlende Arbeitskräfte eine erhebliche Belastung bedeuten.

Welche Lasten unsere Gegend in diesen Jahren tatsächlich trägt, bleibt zu erforschen. Für Vachendorf ist bisher weder eine bestimmte Kriegsabgabe noch ein militärischer Einsatz nachgewiesen. Die ältere Friedrich-Biografie beschreibt allerdings schwere Schulden und starken Steuerdruck durch seine Kriege und Reisen.

Der Städtekrieg führt uns deshalb von den Entscheidungen der Herrscher zu den Lebensbedingungen ihrer Untertanen. Über Friedrich und Pilgrim wissen wir bereits viel. Für unsere Ortsgeschichte beginnt die nächste Spurensuche dort, wo Rechnungen, Abgaben und Dienste sichtbar machen könnten, was ihre Politik für die Menschen im Chiemgau bedeutete.

Quellen und weiterführende Lektüre

Redaktioneller Stand: 8. Oktober 2026. Einzelne Angaben zur Belagerung und zum Steuerdruck beruhen auf älterer Forschung und sind im Text entsprechend gekennzeichnet. Konkrete Kriegsabgaben und Truppen aus Vachendorf sind bisher nicht nachgewiesen.

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