Ein Dorf in vielen Blättern – Franz Liebls heimatkundliche Stoffsammlung
Text: Jochen Nistler
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Ein Blick in die ursprüngliche Stoffsammlung. Foto bereitgestellt von Jochen Nistler.
In diesen Ordnern hat Franz Liebl Vachendorfs Geschichte Blatt für Blatt zusammengetragen.
Franz Liebl (rechts) mit der 7. und 8. Klasse, 31. März 1960. Historische Aufnahme aus dem K.u.H.-Bildbestand; Fotograf bislang nicht ermittelt.
Das Klassenfoto von 1960 zeigt Franz Liebl mitten in einem seiner großen Lebensthemen: der Schule.
Der Ausstellungsraum mit den sechs Thyriden im Haus der Dorfgemeinschaft Vachendorf. Foto: Bettina Nistler.
Die Ausstellung „Haltung und Heimat“ und der digitale Zugang auf K.u.H. laden dazu ein, seine Sammlung neu zu entdecken.
Ein Regal, bunte Ordner, handgeschriebene Beschriftungen: „Kirche“, „Wirtschaft“, „Heimat – Natur“. Einige Mappen sind so voll, dass ihre Deckel auseinanderstehen. Öffnet man sie, begegnet einem Vachendorf in alten Fotos, Zeitungsausschnitten, Abschriften und Notizen.
Franz Liebl hat diese Spuren zusammengetragen und geordnet. Seine heimatkundliche Stoffsammlung ist ein wesentlicher Teil seines Lebenswerks. Heute kann man auch digital darin blättern.
Aufbewahren, was vom Dorf erzählt
Ein Klassenfoto, eine Aufnahme vor dem Straßenbau, ein Vereinsdokument: Oft erzählen unscheinbare Dinge besonders viel vom Leben der Menschen. Liebl bewahrte solche Zeugnisse, fotografierte selbst und fertigte Abschriften älterer Texte an. Neben seinen eigenen Arbeiten sammelte er Bilder und Beiträge anderer Menschen.
So entstand ein vielgestaltiges Gedächtnis des Ortes. Es führt zu Schule und Kirche, zu Landwirtschaft und Gaststätten, zu Wegen, Vereinen und Landschaft. Die Blätter zeigen auch Liebls Arbeitsweise: zusammentragen, beschriften, vergleichen und Zusammenhänge sichtbar machen.
Vom Ordner zum offenen Zugang
In den vergangenen zwei Jahren wurde die Stoffsammlung digitalisiert und für die Öffentlichkeit aufbereitet. Auf K.u.H. führen acht Hauptgruppen durch die Themen; die freigegebenen Scans öffnen sich in der Topothek. Die ursprüngliche Zusammenstellung der Blätter bleibt dabei erkennbar.
Man kann mit einer vertrauten Straße beginnen, mit der eigenen Schule oder einem Verein. Vielleicht erkennt man jemanden auf einem Foto wieder oder findet eine Antwort auf eine alte Frage. Die Originalmappen bleiben erhalten; noch offene Zuordnungen und Grenzen der Veröffentlichung werden kenntlich gemacht.
Ein Lebenswerk zum Weiterentdecken
Die Ausstellung „Haltung und Heimat – Franz Liebl“ würdigt den Menschen hinter dieser Arbeit. Die Stoffsammlung lässt uns seiner Aufmerksamkeit für Vachendorf unmittelbar begegnen: durch das, was er aufbewahrt und lesbar gemacht hat.
Mit dem öffentlichen Zugang kommt dieses Lebenswerk wieder in Gebrauch — beim Erinnern, Forschen und Weitererzählen. K.u.H. lädt dazu ein, die Ordner zu öffnen und darin das eigene Dorf neu zu entdecken.
Ein Blick in die ursprüngliche Stoffsammlung. Foto bereitgestellt von Jochen Nistler.Franz Liebl (rechts) mit der 7. und 8. Klasse, 31. März 1960. Historische Aufnahme aus dem K.u.H.-Bildbestand; Fotograf bislang nicht ermittelt.Der Ausstellungsraum mit den sechs Thyriden im Haus der Dorfgemeinschaft Vachendorf. Foto: Bettina Nistler.