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Was wird aus der Krieger- und Soldatenkameradschaft?

30. Oktober 2026

Text: Jochen Nistler

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Fähnrich Rupert Kalsperger wurde für sein langjähriges Engagement ausgezeichnet.

Am 15. November kommt die Vachendorfer Krieger- und Soldatenkameradschaft zur Jahreshauptversammlung zusammen. Anlass, auf ihre Geschichte zu schauen und zu fragen: Welche Aufgaben bleiben wichtig – und wie kann die Kameradschaft ihre Zukunft gestalten?

Zum Titelbild: Fähnrich Rupert Kalsperger wurde bei der Jahreshauptversammlung 2025 für sein langjähriges Engagement ausgezeichnet. Foto: Jochen Nistler.

Ein Fest, das den Ort bewegte

Im Juni 1983 zog ein großer Festzug durch Vachendorf. Die Krieger- und Soldatenkameradschaft feierte ihr 130-jähriges Bestehen. Nach der Vereinschronik beteiligten sich rund 2.000 Menschen, begleitet von acht Musikkapellen. 63 Fahnen, Festwagen und Kutschen gehörten zum Bild dieses Wochenendes.

Die Zahlen lassen die Größe des Festes erahnen. Dahinter standen Menschen, die vorbereitet, organisiert und mitgeholfen hatten. Peter Gschwendtner leitete das Fest, Sebastian Prambs war Festwirt, Martin Feldbacher führte die Festkasse und Alois Wendlinger übernahm die Schriftführung. Vorsitzender war Jakob Mayer.

Die Chronik berichtet auch von wachsender Mitgliedschaft: Bei der 130. Jahresversammlung konnte bereits das zweihundertste Mitglied vermeldet werden.

Franz Liebl stellte die Geschichte aus

Schirmherr des Festes war Franz Liebl. Er hielt eine Ansprache und gestaltete eine eigene Ausstellung zum Jubiläum.

Das passt zu seiner Arbeit als Sammler und Heimatforscher. Ein Fest bot Gelegenheit, zusammenzukommen. Die Ausstellung machte zugleich sichtbar, woher der Verein kam und was seine Mitglieder miteinander verband.

Unterlagen zu dieser Ausstellung sind in Liebls heimatkundlicher Stoffsammlung verzeichnet. Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, bekommen sie neue Bedeutung. Sie bewahren die Erinnerung an eine Zeit, in der die Kameradschaft viele Menschen für eine gemeinsame Aufgabe gewinnen konnte.

Auch die stille Arbeit zählt

Die Geschichte eines Vereins besteht ebenso aus Tätigkeiten, die selten auf einem Festfoto erscheinen.

In der Chronik begegnet uns eine Frau, die dort „Rausch Burgl“ genannt wird. Sie betreute das 1953 eingeweihte Kriegerdenkmal über viele Jahre unentgeltlich. Bei der Jahresversammlung 1978 dankte ihr der Verein mit einem Geschenkkorb und 150 Mark.

Nur wenige Zeilen sind dieser Arbeit gewidmet. Trotzdem erzählen sie viel: Ein Denkmal bleibt erhalten, weil sich jemand darum kümmert. Erinnerung braucht solche Menschen – regelmäßig, verlässlich und oft ohne großes Aufsehen.

Auch der Bericht über die Jahreshauptversammlung 2025 nennt die Denkmalpflege als wichtigen Teil der Vereinsarbeit. Die Vachendorfer Kameradschaft kümmert sich demnach zudem um die Gedenkstätte zwischen Holzhausen und Bernhaupten. Ihre Verantwortung reicht damit über die heutige Gemeindegrenze hinaus.

Was erzählen uns die Namen am Denkmal?

Die Vereinschronik beschreibt das 1953 eingeweihte Denkmal als Erinnerungsort für Gefallene, Vermisste und Bombenopfer aus der Pfarrei Vachendorf.

Hinter den Namen stehen Menschen und Familien. Ihr Tod oder ihr Ausbleiben veränderte das Leben der Angehörigen. Mit wachsendem zeitlichem Abstand wird es schwieriger, diese Verbindungen zu erkennen. Ein Name bleibt lesbar, während die Geschichte des Menschen dahinter allmählich verloren gehen kann.

Hier liegt eine Aufgabe, die weiterhin wichtig ist: Lebensgeschichten erschließen, Erinnerungen bewahren und jüngeren Generationen verständlich machen, was Krieg für einen Ort und seine Bewohner bedeutete. Dazu gehört auch, die eigene Vereinsgeschichte mit ihren politischen Brüchen sorgfältig und offen zu betrachten.

Eine lange Geschichte allein genügt nicht

Die KSK gehört zu den traditionsreichen Vereinen Vachendorfs. Ihre Jubiläumstradition führt die Gründung auf 1853 zurück. So wertvoll diese lange Geschichte ist: Über die Zukunft entscheidet, ob Menschen heute einen Sinn darin sehen, sich einzubringen.

Die Lebensverhältnisse haben sich verändert. Zeit für ein Ehrenamt muss zwischen Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen gefunden werden. Manche Menschen möchten helfen, können aber kein Amt auf viele Jahre übernehmen. Andere wissen vielleicht gar nicht, was die Kameradschaft konkret tut oder wie sie mitwirken könnten.

Deshalb lohnt es sich, genauer zu fragen: Welche Aufgaben sind unverzichtbar? Was ließe sich auf mehrere Schultern verteilen? Wo könnten zeitlich begrenzte Projekte eine Mitarbeit erleichtern?

Gemeinsam erinnern – aber wie?

Ein Fest wie 1983 lässt sich nicht einfach wiederholen. Doch der Gedanke dahinter bleibt verständlich: Menschen übernehmen gemeinsam Verantwortung und erleben dabei Gemeinschaft.

Heute könnte daraus beispielsweise eine Bilderrunde mit älteren Mitgliedern entstehen. Ein gemeinsamer Gang zum Denkmal, bei dem die Lebensgeschichten einzelner Menschen erzählt werden. Oder ein Projekt mit Jugendlichen, das historische Fotografien, Briefe und Erinnerungen erschließt.

Das sind Möglichkeiten, keine fertigen Antworten. Welche davon zum Verein passen, können seine Mitglieder am besten beurteilen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Unterstützung sie aus dem Ort brauchen.

Ein Gespräch über die Zukunft

Die Jahreshauptversammlung am 15. November bietet Gelegenheit, auf das Geleistete zu schauen und über die nächsten Schritte zu sprechen.

Was soll von der Arbeit der Kameradschaft weiterleben? Wer möchte daran mitwirken? Welche Formen von Gemeinschaft passen heute? Und wie können Menschen gewonnen werden, denen Erinnerungsarbeit und Frieden wichtig sind, die bislang aber keinen Zugang zum Verein gefunden haben?

Diese Fragen betreffen zunächst die Mitglieder. Sie gehen zugleich die Dorfgemeinschaft an. Denn die Pflege von Erinnerungsorten, das Wissen um die eigene Geschichte und das Gespräch zwischen den Generationen haben einen Wert für Vachendorf.

Die Vergangenheit zeigt, wie viel Menschen gemeinsam tragen konnten. Nun geht es darum, herauszufinden, was sie künftig gemeinsam tragen möchten.

Die Jahreshauptversammlung

Sonntag, 15. November 2026, 10 Uhr, Haus der Dorfgemeinschaft Vachendorf. Der Termin ist im Gemeindekalender angekündigt. Die Fragen dieses Rückblicks sind ein redaktioneller Gesprächsanstoß und keine Wiedergabe einer offiziellen Tagesordnung.

Zum Veranstaltungstermin · Zur Vereinsvorstellung der KSK Vachendorf

Quellen und Hinweise

Historische Grundlage: Vereinschronik, zusammengestellt von Hans Schneider 1989 nach Georg Zeilinger, insbesondere Seiten 367–368; überliefert in der Vachendorfer Topothek. Ergänzend: Verzeichnis der heimatkundlichen Stoffsammlung Franz Liebl, Unterlagen zur Jubiläumsausstellung 1983, sowie der oben verlinkte Bericht zur Jahreshauptversammlung 2025. Die Jubiläumszählung von 1983 folgt dem Gründungsjahr 1853. Die abweichende Jahresangabe 1855 in anderen Darstellungen bedarf noch der Klärung. Das Titelbild zeigt eine Ehrung von 2025, nicht das Fest von 1983.

Text und Foto: Jochen Nistler. Historischer Rückblick anlässlich der Jahreshauptversammlung 2026.

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